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Die Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück

Die Überlebenden Österreicherinnen des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück organisierten sich zwei Jahre nach Kriegsende zu einer Lagergemeinschaft. Sowohl das erlebte Leid als auch die gelebte Solidarität führte viele von Ihnen wieder zusammen. Fünfzig Jahre lang haben sie sich seither mit großem Engagement der Aufgabe gewidmet, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten und faschistische Tendenzen in der Gegenwart zu bekämpfen. Sie taten und tun dies mit Ausstellungen, Publikationen, Schulbesuchen als Zeitzeuginnen und der Organisation von Veranstaltungen. In den letzten Jahren haben sich junge Frauen zur Lagergemeinschaft gesellt, welche die immer älter und gebrechlicher werdenden Frauen in ihrer Arbeit unterstützen.

Kontaktadresse: Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück
Irma Trksak
(Sekretärin der Lagergemeinschaft)
c/o KZ-Verband
Lassallestraße 40 / 2 /2 /6
1020 Wien
Tel.: +43 / 1 / 726 39 43

Mo-Do 10.00-14.00


 
Die Angst vor den Frauen, vor der Liebe
Hilde Zimmermann
(geb. 1920, gest. 2002)

In:
50 aktive Jahre.
Festschrift zum fünfzig-jährigen Bestehen der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück
(Wien 1998).
Käthe Leichter träumte im Lager 1941: „Es kommt der Tag, wo weit offen die Tore - in die grosse, die freie Welt, und der Weg führt zum Licht und zur Sonne, von jauchzendem Freiheitsjubel erfüllt”.
Im März 1944 wurde meine ganze Familie verhaftet. Im Juli 1945 waren wir wieder daheim, aber der jauchzende Jubel war es nicht. Wir waren eine Minderheit und fanden uns nur schwer zurecht. Wir suchten die Solidarität der ehemaligen Häftlinge, und so entstand im Frieden wieder eine Lagergemeinschaft Ravensbrück.

Die erste grosse Ausstellung im Künstlerhaus über die Zeit des Nazifaschismus hiess
„Niemals vergessen”. Wir konnten es eh nicht - es wurde auch unsere Parole. Und wir wurden „Zeitzeuginnen”.

Aus Ravensbrück wurde eine Gedenkstätte. 1957-1959 wurden die österreichischen Zellen im Gedenkraum des Museums in Ravensbrück über den österreichischen Widerstand eingerichtet. Grete Schütte-Lihotzky entwarf die Ausgestaltung. Ravensbrück liegt 80 km nördlich von Berlin. Als dort das Museum eingerichtet war, überlegten wir: Wer von unseren Leuten wird das je sehen? So entstand die Idee zur Wanderausstellung, über die Toni Bruha gesprochen hat. Eine Kopie dieser Ausstellung hat ihren Platz in Mauthausen gefunden.

Unsere internationale Organisation funktioniert und sie wird bereits von jungen Frauen unterstützt. Die Begegnung mit der nächsten, bzw. übernächsten Generation von Frauen ist eine neue Erfahrung für uns. Sie suchen das Gespräch mit uns und wollen verstehen und wissen. Sie sind uns nicht nur eine Stütze - nein, sie gehören zu uns. So konnten wir in Österreich gemeinsam mit ihnen
- bei einem Symposium in der Arbeiterkammer eine Textcollage über Käthe Leichter erstellen;
- in ganz kurzer Zeit zu einem Vortrag über Widerstand in Ravensbrück einen Saal füllen;
- im Rahmen der Anne Frank-Ausstellung im Herbst 1995 einen Abend zum Thema „Mütter und Kinder im KZ Ravensbrück” füllen;
- bei verschiedenen Veranstaltungen Gespräche mit jungen interessierten Frauen führen;
- besonders gelungen war die Matinee im WUK, wo wir Ravensbrückerinnen die Texte von und über Rosa Jochmann und Käthe Leichter lieferten, und Katharina Kovacic und ihre Kolleginnen mit Musik, Gedichten und Gesang eine wunderschöne Kollage gestalteten.

Heute hinterfrage ich auch den Begriff Frauenkonzentrationslager. Von allen Greueln, die die Nazibarbaren ersonnen hatten, ist diese Abscheulichkeit noch gar nicht so recht ins Bewusstsein gedrungen: Die Angst vor den Frauen, vor der Liebe.

Die Frauen waren nicht nur politische Widerstandskämpferinnen, sie waren Frauen, die liebten: Sie liebten Männer, die zu lieben nach den Nürnberger Gesetzen verboten war. Sie liebten Männer, die verschleppt worden waren, die auf Bauernhöfen und Dörfern arbeiteten. Frauen und Mütter liebten ihre Männer und Söhne und versteckten sie vor dem Krieg. Frauen gaben Brot an hungrige Gefangene und hatten Erbarmen - für all diese Frauen war ds Frauen-KZ errichtet worden. „Die Frauen im Dritten Reich waren zwischen Mutterkreuz und Gaskammern angesiedelt ”, schreibt Andreas Baumgartner in seinem Buch „ Die vergessenen Frauen von Mauthausen (Wien 1997)”. Das Gelände des ehemaligen KZ Ravensbrück soll nicht verkommen, soll nicht wirtschaftlichen Interessen geopfert werden, es soll sich aber auch nicht Grabesstille dort ausbreiten. Wir wollen dafür eintreten, dass Ravensbrück eine Forschungs- und Begegnungsstätte wird, dass der Platz des Grauens in einen Platz des Wissens, des Verstehens und der Freundschaft umgewandelt wird.

So hoffen wir, dass Ravensbrück als kostbare Kulturstätte geschützte und erhalten durch die Solidarität der Frauen und gesichert in seinem Bestand durch die politisch Verantwortlichen in unseren Ländern, für spätere Generationen erhalten bleibt.

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